Praxisbesonderheiten im Rahmen einer Richtgrößenprüfung sind anzuerkennen, wenn ein spezifischer, vom Durchschnitt der Vergleichsgruppe signifikant abweichender Behandlungsbedarf des jeweiligen Patientenklientel und die hierdurch hervorgerufenen Mehrkosten nachgewiesen werden. Die Darlegungslast für die Praxisbesonderheit obliegt dem betroffenen Arzt. Er ist grundsätzlich gehalten, im Prüfverfahren die Umstände geltend zu machen, die sich aus der Atypik seiner Praxis ergeben, aus seiner Sicht auf der Hand liegen und dem Prüfgremien nicht ohne Weiteres anhand der Verordnungsdaten und der Honorarabrechnung bekannt sind oder sein müssen.

Soweit ein Behandlungsschwerpunkt anerkannt wird, genügt es zur Quantifizierung des Umfangs der Praxisbesonderheit nicht, wenn die Prüfgremien nur auf die im Vergleich zur Fachgruppe höhere Zahl der betroffenen Patienten abstellt, obgleich sich der Mehrbedarf gerade auch darin zeigt, dass die verordneten Arzneimittel teuer sind als bei durchschnittlicher Verordnungsweise, wie etwa im vorliegenden Fall, bei der Verordnung Parathormonen zur Behandlung bei Osteoporose-Patienten (vgl. LSG Niedersachsen-Bremen, Beschl. v. 18.04.2017, AZ L 3 KA 136/16 B ER).

Der generell vom Arzt und dessen Berater zu betreibende Aufwand im Rahmen von Wirtschaftlichkeitsprüfverfahren ist enorm. Eine etwaig bestehende Praxisbesonderheit muss so sorgfältig und umfassend wie möglich zunächst dem Grunde nach dargelegt werden. Gelingt die Anerkennung, muss indes auch die Quantifizierung der Praxisbesonderheit sorgsam ausgearbeitet werden. Das Gericht hat in der o. g. Entscheidung nunmehr auch festgehalten, dass eine pauschalierende Betrachtung bei entsprechender Darlegung durchbrochen werden kann. Dies bedarf natürlich einer guten schriftsätzlichen Ausarbeitung und eines langen Atems.