Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 29.10.2013, Az. 1 Sa 142/13

Der 1964 geborene Kläger bewarb sich auf eine im Juni 2012 in einer Tageszeitung ausgegebenen Stellenanzeige der beklagten Arbeitgeberpartei. In der Stellenanzeige hieß es abschließend:

„Wir bieten Ihnen die Möglichkeit, eine verantwortungsvolle Position im Vertrieb eines erfolgreichen Unternehmens zu übernehmen. Als Mitglied eines jungen und motivierten Teams erhalten Sie bei uns Gelegenheit, Ihrem Verantwortungsbereich kontinuierlich auszuweiten.“

Der Kläger wurde nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und begehrte mit seiner Klage einen Entschädigungsanspruch wegen Altersdiskriminierung. Zur Begründung hat er vorgetragen, dass durch die Aufnahme der Beschreibung „junges Team“ in der Stellenanzeige indiziert sei, dass die Beklagte ihn wegen seines Alters nicht in engere Wahl der Bewerber einbezogen habe.

Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein gab dem Kläger Recht. Das Landesarbeits-gericht Schleswig-Holstein sah es als erwiesen an, dass der Kläger wegen seines Alters benachteiligt wurde. Dies werde nach § 22 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vermutet, weil der Kläger ausreichende Indizien beweisen habe, die eine Benachteiligung wegen des Alters vermuten lasse.

Nach dem Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein spreche insbesondere der Satzbau der streitgegenständlichen Stellenanzeige dafür, dass durch die Anzeige vorwiegend jüngere Bewerber angesprochen werden sollten. Die Beklagte versehe ihr Team nämlich nicht nur mit dem Adjektiv „jung“, sondern darüber hinaus auch noch mit dem Adjektiv „motiviert“. Das spreche dafür, dass sich auch der Begriff „jung“ auf die Mitglieder des Teams beziehe und nicht, wie die Beklagte vorgetragen hat, darauf, dass das Team erst vor drei Jahren zusammengestellt worden ist.

Anmerkung:
In der instanzgerichtlichen Rechtsprechung hatten sich bereits verschiedene Gerichte mit der Frage, ob eine entsprechende Stellenanzeige ein Indiz für eine Altersdiskriminierung ist, auseinanderzusetzen (LAG Hamburg, Urteil vom 23.06.2010, Az.: 5 Sa 14/10; LAG Nürnberg, Urteil vom 16.05.2012, Az.: 2 Sa 574/11 oder beispielsweise LAG München, Urteil vom 13.11.2012, Az.: 7 Sa 105/12). In allen Entscheidungen wird deutlich, dass sich die Frage einer Altersdiskriminierung nur unter Berücksichtigung des konkreten Inhaltes der Stellenanzeige beantworten lässt. Ob ein Indiz für eine Altersdiskriminierung der Stellenanzeige immanent ist, hängt von der inhaltlichen Gestaltung und dem Wortlaut der Stellenanzeige ab. Zur Vermeidung des Vorwurfes einer Diskriminierung empfiehlt es sich, die Stellenanzeige sorgfältig in der Weise zu formulieren, dass die in § 1 AGG benannten verpönten Merkmale nicht aus Versehen in Bezug auf die Bewerber gebracht werden können.