Der Fall Bakery Jatta ging durch die Presse, doch das Problem beschäftigt insbesondere viele Vereine im Rahmen ihrer Jugendarbeit.

Der DFB hat in der Broschüre „Willkommen im Verein! Fussball mit Flüchtlingen“ gemeinsam mit der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration eine Handreichung herausgegeben, die die Vereine informieren und zu Engagement ermutigen soll. Dort steht:

„Kann ich den Altersangaben in den Papieren vertrauen?

Viele Flüchtlinge kommen ohne jegliche Papiere nach Deutschland. Insbesondere Altersangaben geben immer wieder Anlass zu strittigen Auseinandersetzungen. Für Vereine und Verbände besteht jedoch kein Grund, behördliche Dokumente (z.B. Aufenthaltstitel) in Zweifel zu ziehen oder die dortigen Angaben selbst zu überprüfen. Dies gilt auch, wenn in den Dokumenten vermerkt sein sollte, dass die  dort festgehaltenen Daten auf eigene Angaben des Inhabers zurückgehen“.

Ein für die Integrationsarbeit ausgezeichneter Verein musste dennoch um Punktabzüge und den Aufstieg einer Jugendmannschaft bangen.

Der Fall (abgekürzt):

Ein unbegleiteter Flüchtling, der ohne Ausweispapiere einreiste, wurde als minderjährig eingeschätzt und erhielt eine Duldungsbescheinigung und eine Aufenthaltsgestattung mit dem Geburtsdatum 01.01.2002. Auf der Grundlage dieser Unterlagen stellte der Verein einen Passantrag und der Spieler erhielt die Spielberechtigung. Der Spieler kam in 11 Meisterschaftsspielen zum Einsatz, in welchen die Mannschaft 23 Punkte erspielte; insgesamt erspielte die Mannschaft 53 Punkte und stieg in die nächsthöhere Klasse auf.

Als der Verein erfuhr, dass Zweifel an dem Alter des Spielers bestand und ein qualifiziertes Altersfeststellungsverfahren durchgeführt wurde, wurde der Spieler vereinsintern gesperrt. Nach dem qualifizierten Altersfeststellungsverfahren wurde das Alter des Spielers „fortan“ auf den 31.12.1998 festgesetzt. Nach Erstattung einer Anzeige des Spielleiters wurde die Einsatz- und Spielberechtigung des Spielers im Hinblick auf dessen Alter in Frage gestellt und nach mündlicher Verhandlung über den drohenden Punktabzug entschieden.

Die Entscheidung:

Die Bezirksspruchkammer (BSK) hat das Verfahren gegen den Verein und den Spieler eingestellt. Nach Auffassung der BSK wurde die Spielberechtigung weder unter falschen Voraussetzungen erteilt, noch durch unwahre oder irreführende Angaben erschlichen.

Bis zur Entscheidung im qualifizierten Altersfeststellungsverfahren und Neufestsetzung des Geburtsdatums des Spielers konnte der Verein auf die amtlichen Dokumente vertrauen; es lagen auch keine Umstände vor, aufgrund derer der Verein zu anderen Erkenntnissen hätte gelangen können. Da das Alter des Spielers mit Wirkung für die Zukunft geändert wurde, war es bis zu diesem Zeitpunkt auch richtig.

Weder dem Spieler, erst recht nicht dem Verein, konnte nachgewiesen werden, dass ihnen das „richtige“ Geburtsdatum bekannt war; somit scheidet auch ein Erschleichen durch unwahre oder irreführende Angaben aus.

Einer Sanktion gegen den Verein stand auch der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit entgegen. Nach der einschlägigen Spielordnung führen falsche Angaben zum Geburtsdatum dazu, dass grundsätzlich keine gültige Spielberechtigung vorliegt. Demnach besteht ein Ermessen. Nach Überzeugung der BSK lag auch ein Ausnahmefall vor, der eine Abweichung von der starren Regelung und Absehen von Sanktionen erlauben würde.

Fazit:

Die Entscheidung der BSK, welche zwischenzeitlich rechtskräftig ist, zeugt von Augenmaß und realistischer Einschätzung der Probleme, mit welchen die Vereine bei der Integration von Flüchtlingen konfrontiert sind. Da immer die Gefahr besteht, dass durch ein qualifiziertes Altersfeststellungsverfahren das Alter anders eingeschätzt wird als im Clearinggespräch, würde jedem Verein ein Punktabzug drohen. Diesem potentiellen Risiko könnten die Vereine nur entgehen, indem sie die Spieler bis zu einem qualifizierten Altersfeststellungsverfahren nicht einsetzen. Aber ob ein solches Verfahren überhaupt durchgeführt wird und ob es zu abweichenden Feststellungen führt, steht in den Sternen.

Hier sind die Verbände gefordert, für Rechtssicherheit zu sorgen. Ansonsten tragen die Vereine nicht nur die Last, sondern auch das Risiko bei der Integration von Flüchtlingen durch Sport.